Sonntag, 12. Juni 2011

Wie sieht's mit unserer eigenen Toleranz aus?

Gestern hat mir eine junge Frau erklärt, dass Vegetarier_innen dumm und unnötig sind, und Tiere eigentlich nur deshalb existieren, damit wir sie essen können.

Das hör' ich nicht zum ersten Mal, und ich weiß nicht, warum es mich gestern besonders getroffen hat. Vielleicht, weil die Dame eine Lesbe ist, und ich der naiven Meinung war, dass Leute, denen selbst manchmal mit Intoleranz begegnet wird, selber klüger sein sollten.
Aber bei genauer Überlegung kann man das eigentlich nicht erwarten - wieso sollte es keine oberflächlichen und ignoranten Lesben geben?
Diese Begegnung war der Anstoß, über mein eigenes Verhalten nachzudenken. Eigentlich habe ich mich selber immer für sehr tolerant gehalten, außer in Fällen, wo jemand anderer offensichtlich zu Schaden kommt. Dann wiederum - denken das nicht alle Leute über ein Thema, das sie ablehnen?

Meine Mutter denkt, ich ziehe mir mit veganer Ernährung Mangelerscheinungen zu, die konservative Nachbarin fürchtet um Ruhe und Ordnung, und sogar die Kirche sorgt sich, aus ihrem Weltbild heraus, um unser Seelenheil.
Da kann man leicht drüber lächeln, solang man mit seinen Mitlächlern gleicher Meinung ist. Aber sobald man dann selbst mal etwas anders sieht... wie schaut's dann aus?

Kommentare:

  1. Mh, ich weiß was du meinst... Früher als Kind war ich einmal total geschockt, als sich ein Schwarzer (was ist jetzt eigentlich politisch korrekt?!) mir gegenüber wie ein Arschloch verhalten hat. Irgendwie habe ich dann immer noch recht lange gebraucht um zu verstehen, dass es nicht rassistisch ist, wenn man Menschen, die einer Minderheit angehören gegenüber grob reagiert oder ähnliches, für den Fall, dass es eben angemessen ist. Viele Menschen sind dumm oder schrecklich, egal wie sie aussehen, woher sie kommen und woran sie glauben.
    Ich habe aber das Gefühl, dass ich in den letzten paar Jahren einen sehr großen Sprung gemacht habe, wenn es darum geht, mir nicht vorschnell Meinungen zu bilden. Meistens halte ich einen Moment inne und versuche die Situation aus einer anderen Perspektive zu sehen und zu verstehen. Aber im Endeffekt hat jeder gewisse Vorurteile und die sind auch nicht immer etwas schlechtes.

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  2. Es ist echt traurig, wenn man sowas hört und dann auch noch merkt, dass die Menschen das ganz und gar wirklich glauben. Wie bitter, wenn ein Lebewesen nur dazu geschaffen worden sein soll, um uns als Nahrung zu dienen. Und ich kann die Befremdlichkeit nachvollziehen die Du verspürt hast, weil man eben von Menschen, die sagen wir mal anders als normal (was auch immer das sein soll) sind, eben mehr Toleranz erwarten. Aber manchmal ist es leider nicht so... Schade und traurig, auch für die Frau selbst.

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  3. @ Mneme: Danke für's Antworten, ja, das sind Erkenntnisse, die man sicher erst mit Zeit und Erfahrung gewinnen kann. Stimmt natürlich, aber mir ist durch diese Episode eben aufgefallen, was ich doch unbewusst für dumme Schubladen etc. im Kopf habe! Päng.. so schnell kann's gehen. ;)

    @ Wurzelweber: Natürlich, das ist freundlich ausgelegt ziemlich kurzsichtig, und nicht freundlich ausgelegt strohdumm und egoistisch. ("Du blödes Viech lebst nur,damit ich dich essen kann!")
    Aber wenn man drüber nachdenkt, ist es naiv zu glauben, dass jeder, dem es auf die Nerven geht, intolerant behandelt zu werden, auf einmal selbst super tolerant ist. (Aber schön wär's!!!) Manchmal ist es dann aber eher ein "Oh, jetzt stürzen sie sich auf jemand anderen, da mach ich mit und gehör auf einmal dazu!"

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  4. Hallo!
    Die ist dann wohl voll an der Toleranzgrenze, hähä.
    – Ja, darüber denke ich auch immer wieder nach. Aber ich denke, Toleranz ist ja Einstellungssache und hat somit erstmal nicht so viel damit zu tun, welcher Gruppe jemand angehört und wie derjenige sich selbst behandelt fühlt. Ich sehe mich eigentlich selten "intolerant behandelt" als Veganer – aber da ist ja ein weites Feld zwischen intolerant und tolerant … eher empfinde ich die Leute dann als ignorant. (Ist also noch Hoffnung^^)

    Ich bin ein sehr ausgleichender Mensch und daher manchmal toleranter als mir lieb ist ;-), aber wie viele Stereotype es sich gut bequem gemacht haben bei uns merke ich im Grunde bei jeder Reise und bei vielen neuen Bekanntschaften. Aber zum Glück wird mir das so schnell bewusst, dass ich oft nur drüber lachen kann und mich nicht entsprechend verhalten muss.
    Andererseits grüble ich oft, wenn ich jemanden "auf Anhieb unsympathisch" fand und mir dann null Mühe gegeben habe für ein normal-nettes Gespräch (kommt ja vor); dann hab ich ein schlechtes Gewissen.
    Ah, und ich finde, wenn Lächler und Mitlächler in Gruppen auftreten, steigt meist auch die Gefahr, dass sie nach außen hin intolerant auftreten. Das nervt mich sehr – allerdings auch bei Veganern.

    Schön, dass Du solche Gedanken auch mit uns teilst!
    Lg

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