Freitag, 15. Juli 2011

Frauenrollen in Hollywoodfilmen

Wenn ich mit jemandem über Frauenrechte rede, dann werde ich oft gefragt, ob ich mich denn unterdrückt fühlen würde, oder ob ich tatsächlich das Gefühl hätte, dass heutzutage in unserer Gesellschaft keine Gleichberechtigung herrschen würde.

Oft wird auch nach Beispielen verlangt. Und da gibt es natürlich die offensichtlichen Dinge wie die Gehaltsschere, das unterschiedliche Bewertetwerden derselben Handlungen, je nachdem ob sie von Frauen oder Männern verübt werden, etc.

Aber ich bin manchmal selbst erstaunt, wenn ich Zeichen der Ungleichberechtigung gestoßen werde, die mir selbst nicht mal (mehr) auffallen. Wir sind in einem System aufgewachsen, das wir nur bis zu einem gewissen Punkt hinterfragen, und das gar nicht absichtlich, sondern aus Gewohnheit.

Letztens bin ich auf ein faszinierendes Video gestoßen: Der Bechdel-Test für Frauen in (Hollywood-)filmen.



Der ist super, macht mal mit: denkt an den letzten Film, den ihr im Kino gesehen habt.

Jetzt kommen drei Fragen, sobald eine davon mit "Nein", beantwortet wird, fällt der Film durch den Test. Wird sie mit "Ja" beantwortet, geht's weiter zur Nächsten.

1.) Kommen in diesem Film zwei oder mehr Frauenfiguren vor, die auch einen Namen haben?
2.) Reden diese Frauen miteinander?
3.) Reden sie über etwas anderes als einen Mann?

Und, und, und? Welcher Film und was ist rausgekommen?

Im Video sieht man Plakate vieler Filme, die durchgefallen sind, und es ist praktisch alles, was in den letzten Jahren aus Hollywood kam dabei.

Dabei sagt der Test nicht mal aus, ob der Film gut ist, ob der Film feministisch ist oder sehenswert. Nur, dass Frauen vorkommen, dass weibliche Charaktäre überhaupt mal repräsentiert werden.

(Überlegen wir uns mal kurz das Gegenteil: machen wir den Test und ersetzten "Frauen" mit "Männern". Check, check, check. Umgekehrt kann man fast immer mit ja antworten.)

Wahnsinn, oder? Ist mir noch nie aufgefallen!

Gestern hab ich übrigens Harry Potter gesehen, und auch der fällt durch. ("Not my daughter, bitch!" "Arghhh" ist kein Gespräch ;)

Das Selbe gilt übrigens für Herr der Ringe. Ich liebe die Bücher, und die Filme finde ich eigentlich auch relativ gelungen. Das ändert sich auch jetzt nicht. Ich habe auch keine Schwierigkeiten, mich mit einem männlichen Protagonisten zu identifizieren.
Aber es geht um Bewusstsein, und es muss einem klar sein, dass 99% der Mainstream-Filme von Männern über Männer  gemacht sind, obwohl das Publikum zur Hälfte weiblich ist.

Kommentare:

  1. Haha, ich habe witzigerweise gestern Nader und Simmin gesehen. Ein iranischer Film. Im Iran ist die Rolle der Frau ja nun nicht gerade gleichberechtigt, aber in dem Film tauchen genauso viele Frauen wie Männer auf, alle unterhalten sich miteinander und das meist über fast die selben Dinge.
    Da könnte man jetzt die Frage in den Raum werfen, ob moderne iranische Filmemacher ein moderneres Frauenbild haben, als die ach so freien Amis.... ;)

    Tatsächlich ist es aber traurig, dass so viele Hollywoodstreifen wirklich nur eine weibliche Hauptrolle haben. Wenn ich so in meinem DVD Regal schaue, ist das aber zum Glück echt ausgeglichen.

    Und um noch etwas dranzuhängen: Kennst du Killing us softly? http://www.youtube.com/watch?v=QSXDCMSlv_I Ich habe mich noch nicht intensiv damit auseinandergesetzt, aber nachdenklich macht es allemal.

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  2. Ich muss aber auch noch mal auf Harry Potter zurückkommen^^
    Da sind doch viele (wenn nicht so viele wie männliche), ganz verschiedene Frauencharaktere im Film, oder? Neben Hermine noch die eine Blonde Loveirgendwas, die ganzen Lehrerinnen, Ginny, Die Mütter in den Familien, Bellatrix...

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  3. Ich überlege auch die ganze Zeit, ob Arwen, Eowyn und Galadriel nie miteinander reden.
    Tun sie es wirklich nicht oder reden sie dann über Männer?
    Und warum erinner ich mich da eigentlich nicht dran?
    Vermutlich weil Arwens Rolle im Buch so anders ist.

    Mein letzter Film war *Into the wild*
    Da gibt es zwar einiger Frauen, aber die reden auch nicht miteinander.

    So richtig ein Film, der alle Fragen mit JA beantwortet fällt mir gerade nicht ein. Schon schlimm...

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  4. Dieser Mißstand hat mich schon als Kind / Jugendliche geärgert. Es gab meine gesamte Kindheit nicht wirklich eine gute weibliche Identifikationsfigur in Film und Serien: James Bond, A-Team, Knight Rider, MagGyver, Raumschiff Enterprise, ... Frau war nur das schöne "Beistellprodukt", ohne tragende Rolle und aufgerüscht ohne Ende.

    Mir fällt spontan auch kein Film ein, der oben genannte Kriterien erfüllt. In Filmen, in denen mehrere Frauen die Hauptrolle spielen geht es doch zumeist auch um Männer, bzw. die Ehe, die Beziehung, der Seitensprung.

    Die einzigen Serien, die diese Kriterien erfüllen sind Buffy und Xena: Da reden die Frauen miteinander, Konflikte werden ausgetragen, Abenteuer werden erlebt. Gespräche über Männer kommen vor, sind aber nicht zentral (zumindest meistens). Aber Kinofilme?!

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  5. Als Kind hatte ich Pippi Langstrumpf, Ronja und die rote Zora!
    Das waren meine Heldinnen!

    Irgendwie sind die Filme, die für Frauen gemacht werden alle immer mit mindestens einem maintreamhübschen Mann und diversen Frauen, die ihn anhimmeln. Schon schlimm...

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  6. Mneme: Nadar und Simmin kenn ich noch gar nicht, würdest du den Film empfehlen? In jedem Fall würde ich sehr lachen, wenn man dein Theorie einem Michael Bay und Konsorten ins Gesicht werfen könnte. ;D

    Killing us Softly steht schon so lang auf meiner Liste, das ist jetzt mein Anstoß, mich drüber zu stürzen!

    Und Harry Potter hat durchaus auch viele Frauen, aber wir unterscheiden jetzt mal zwischen Buch und Film, und zumindest im letzten Teil, erinnere ich mich nicht, dass zwei davon ein echtes Gespräch miteinander hatten....
    Naja, so viele Gespräche gab's sowieso nicht, kommt nicht so toll raus in 3D. ;p

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  7. Kris, ich glaube nicht, dass die drei je Miteinander reden... die sind ja auch örtlich meist getrennt.. und wenn.. würden sie wahrscheinlich über Frodo reden...
    Aber hey... da muss man sich doch glatt die Filme nochmal ansehen, um der Sache auf den Grund zu gehen!
    *Pyjama und Kuscheldecke hol*

    Ps: Und außerdem: Yay, Ronja & Co! ^^

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  8. Fraujupiter: Hach, MacGyver... ;D Das waren Zeiten.

    Aber ja, ich hör dich. "Quotenfrauen" in vielen Serien und Filmen sind manchmal nur als optischer Aufputz da, oder um die Geschichte des (männlichen, weißen, heterosexuellen) Protagonisten passiv weiterzuerzählen.

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  9. Die Bücher habe ich glaube ich nur bis zum dritten oder vierten Teil gelesen *schäääm* und die Filme nur in großen Abständen gesehen, ich kann mich auch kaum erinnern.

    Nader und Simmin ist ein ganz großartiger Film, den würde ich gerne allen ans Herz legen!
    Allgemein ist es auf jeden Fall so, dass die das Männer-Frauen-Verhältnis in Filmen ändert, sobald man das Hollywood-Genre verlässt. Denk mal an Amelie, Mic Macs, 2 Tage Paris, Persepolis, Almodovar Filme usw. Natürlich gibt es auch da genügend, wahrscheinlich auch mehr männerdominierte Gegenbeispiele, aber es ist schon ein starker Unterschied zu Hollywood.
    Aus Holywood fallen mir fast nur Filme ein, die speziell dieses Thema behandeln, wie z.B. Mona Lisas Lächeln, dann noch Sofia Coppola Filme. Erin Brokovich fällt fast als einzige aus der Reihe.

    Ehrlich gesagt wundert es mich total, dass mir das vorher alles gar nicht aufgefallen ist, dein Posting war ein richtiges "Ahaaa-Erlebnis" für mich ;)

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  10. AUs dem Iran kommen übrigens ganz viele tolle Filme. Google z.B. mal Ali Samadi Ahdi :)

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  11. Ach und noch was zu Herr der Ringe :D

    Man muss vielleicht auch an den Kontext denken. DieBücher wurden ja (soweit ich weiß) als eine ARt der Kriegsverarbeitung geschrieben. Und im Krieg gibts nunmal mehr Männer. Was ich damit sagen will ist eigentlich nur, in einigen Einzelfällen sind diese männerzentrierten Filme nicht zwangsläufig sexistisch. Aber die Masse ist erschreckend und hinzu kommt, dass Frauen dann in der Regel das sexy Beiwerk sind.

    Äh so, jetzt muss gut sein^^

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  12. Interessant! Und so wahr! Mir fällt spontan nur "Sommer vorm Balkon" ein, der nicht durchfällt. Die beiden reden zwar auch über Männer, aber nicht Hauptsächlich.

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  13. Ich hab zuletzt "The kids are allright" gesehen, der kommt bei dem Test durch (wenn ich mich jetzt richtig erinner), aber die Frauen dort waren auch Lesben... ;)

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  14. Hallo Elana,
    mir ist das auch noch nicht aufgefallen, danke für den Hinweis ;) Mir fallen jetzt spontan auch nur zwei Filme ein, die nicht durchfallen: "Durchgeknallt" und "Beim Leben meiner Schwester" - wobei es bei letzterem keine Frauen sind, eher Mädchen^^
    Gruß,
    Alexandra

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  15. Ich habe mich heute mit meinem Mann drüber unterhalten und er meinte dazu:
    *3 Engel für Charlie* würde auch nicht durchfallen.
    Gesehen haben wir ihn Beide nicht sondern nur mal irgendwann den Trailer und schon da kann man alle drei Fragen mit Ja beantworten.
    Eigentlich finde ich das ziemlich erschreckend, denn solche Filme gehören für mich irgendwie zum Inbegriff einen schlechten Hollywoodstreifens.
    Ist das jetzt also eher gut oder schlecht fürs Frauenbild...

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  16. Die Serie würde auch nicht durchfallen. Da weiß ich auch nicht, ob die gut fürs Frauenbild ist. Vielleicht aber auch nur schlecht fürs Männerbild, schließlich hören die auf zu denken, wenn sie eine hübsche Frau sehen.

    Ich kann jetzt nichts mehr gucken, ohne diese Fragen zu stellen *argh*. Aber Columbo und die neuen amerikanischen Krimiserien, die ich gestern geschaut habe, haben alle bestanden.

    Grüße
    Ute

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  17. Aber da fällt ja dann auch ne Menge Jane Austen durch, sehe ich das richtig?
    Hat mich auf jeden Fall zum nachdenken gebracht, auch wenn ich selten Hollywood-Filme sehe. Der Link von mneme war auch sehr interessant, die Wirkung von Werbung finde ich ja noch heftiger (da andauernd und mehr oder minder unterbewusst).
    Off topic: Elana, ich bin Ende Juli/Anfang August in Wien, hast Du vielleicht einen Tip für vegane Versorgung möglichst nah am Votivpark? Oder sonst etwas "neues" in der Stadt, dass ich keinesfalls verpassen darf? (Die klassischen Ecken kenne ich, und leider hab' ich nur einen Tag wirklich Zeit – vielleicht werden es dank Couchsurfing auch zwei.) Danke!

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  18. Mmeme: Freut mich, dass dich das Thema so beschäftigt! Und ich stimme dir zu, männerzentrierte Filme sind nicht zwangsläufig sexistisch, und Filme mit vielen Frauen nicht zwangsläufig tiefsinnig. Der Test zeigt auch ganz klar nur weibliche Präsenz auf, keine Qualität!

    Alexandra: Mädchen gelten auch! ;) Gut zu hören, dass jemand mal spontan Filme gefunden hat, die nicht durchfallen!

    Rohzustand: Hab ich nicht gesehen! Keine Ahnung, worüber die sich so unterhalten. ;) Du hast recht, der ist sicher kein hochwertiger Film mit glaubhaften Frauenbilder, aber der Test zeigt nur auf, dass Frauen VORKOMMEN, die nicht nur Beiwerk sind. Ob die dann eine großartige Geschichte erleben... das bleibt offen.

    Bellana: Echt, Columbo? Hätt ich nie gedacht! Nicht, dass Columbo so schlecht ist, aber ich hab nur in Erinnerung, dass seine Frau quasi ein Gerücht ist und andere Frauen maximal als Mörderinnen auftreten?

    K: Keine Ahnung, ob man den Test auf Bücher umlegen kann. Und ich hab nur einen Jane Austen Film gesehen, (Pride and Prejudice?), aber ich glaube die funktionieren ähnlich? Leider kann ich nicht erinnern, ob all die Schwestern auch andere Gesprächsthemen hatten als Männer!

    Bezüglich Urlaub, wann fährst du los? Ich überleg noch wegen Lokalen und sag's dir rechtzeitig!

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