Freitag, 28. Oktober 2011

Film: Der Prozess // Die Tierschützer und der Mafiaparagraph

Im Rahmen der viennale habe ich gestern den Film "Der Prozess" von Gerald Igor Hauzenberger gesehen.
Und das, obwohl ich 10 Min vor der Vorstellung noch keine Karten hatte! (Wer schon mal auf eine Viennale-Vorstellung war, weiß; keine Karten: ganz schlecht.)
Mit viel Glück hat mein Freund dann Restkarten ergattert, juhu! Der Saal war gesteckt voll (offizieller Kinostart ist erst am 25. 11) und der Film ziemlich beeindruckend.

via VGT

Inhalt: Von April 2007 bis Mai 2008 ermittelte eine eigens in Leben gerufene SOKU gegen Mitglieder der Tierschutzszene Österreichs. Mittels Überwachung, Lauschangriffen, Peilsendern etc. wurden 267 Personen überwacht. Zehn mussten für über 100 Tage in U-Haft. Zuerst hieß es seitens des Innenministeriums noch, es werde geprüft, ob diese Personen mit Bombendrohungen, Gasangriffen und Sachbeschädigungen in Verbindung stünden. Obwohl für diese Vorwürfe keine Beweise gefunden werden konnten, begann nach jahrelangen Ermittlungen im März 2010 der Prozess gegen 13 TierschützerInnen, großteils unter dem Anklagepunkt, nach §278a Mitglieder einer kriminellen Organisation zu sein.
Hauzenberger begleitete betroffene Personen über Jahre hinweg und dokumentiert vorsichtig die Geschichte von 13 Menschen, die eigentlich niemandem mehr vertrauen konnten.

Fazit: Wahnsinn. Mehr noch als dem inneren Tierschützer dreht es bei dem Film meinem inneren Datenschützer den Magen um. Und wenn mir eines in Erinnerung gerufen wurde, dann das: Nur weil wir in einem Rechtsstaat leben, heißt das nicht, dass einem automatisch auch Recht widerfährt. In meiner Naivität bin ich immer wieder geneigt zu glauben, dass PolizistInnen, AnwältInnen etc. tatsächlich in erster Linie Gerechtigkeit verfolgen, und nicht etwa beeinflusst sind durch Lobbyismus etc. Dieser Film rüttelt wach, und mehr noch, er motiviert dazu, aktiv zu werden. Denn sowohl im Film als auch in der nachfolgenden Diskussion mit Regisseur und den damals Angeklagten kam ganz klar hervor: die Öffentlichkeit hat Macht. Wo Menschen hinschauen, kann nichts unter den Teppich gekehrt werden, können unbequeme Gestalten nicht still und leise verschwinden. Der Konsens des Filmteams war, dass die Verhandlungen ohne das öffentliche Auge sicher anders hätte ausgehen können. Wenn das mal keine Motivation für die Zukunft ist?

Trailer:


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